Ledertramp

Blog über modernes Nomadenleben, Natur, Freiheit und Lebenskunst

PCT Thruhike 2015: Julian – Idyllwild

Nachdem wir uns den Bauch mit Apple Pie vollgeschlagen haben,  gehen wir erstmal die örtlichen Geschäfte abklappern. Julian ist ein wirklich kleiner Ort. Nur eine Straße und ein paar Seitengassen. Alles sieht sehr urig aus. Fast wie in einem alten Western. Es würde mich nicht wundern, wenn hier gleich eine Horde Indianer durch reiten würde. Wir gehen in den Nuts&Honey Shop, Jack’s Grocery Store und den Deli und kaufen überall ein paar Kleinigkeiten. Aus der Hiker Box holen wir uns auch mal wieder allerhand Zeug. Es ist verrückt, wie schnell man gewisse Grenzen hinter sich lässt. Was andere übrig gelassen haben, würde man in Deutschland eher nicht essen, hier ist das Alltag. Was man findet, nimmt man mit! Nach dem einkaufen gehen wir noch in Diner Burger und Fries essen. Sehr lecker.

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Danach hitchen wir wieder an den Pacific Crest Trail. Dort erwartet uns die nächste Trail Magic. Ein Wohnmobil steht mit Pavillons, Campingstühlen, eisgekühlten Getränken und Snacks bereit. Es sind schon einige Hiker am Start und auch wir gesellen uns dazu. Es ist einfach zu heiß zum weiter wandern. Auch unser erster Hitchman ist da. Wir bleiben einige Zeit, haben gute Gespräche und entspannen herrlich. Irgendwann gegen abend wandern wir weiter. Es geht steil bergauf und zwar ziemlich lange. Zum Glück ist die Sonne schon etwas weniger intensiv. Ich stiefel ziemlich zügig bergauf. Irgendwann geht die Sonne unter. Wir machen eine kurze Pause und gehen dann im Mondlicht weiter. Der Mond wirft lange Schatten auf den Boden. Es ist so hell, dass keine Lampen notwendig sind. So ist das Wandern viel angenehmer. Nach ein paar Meilen finden wir einen schönen Platz für das Lager.  Nach dem Abendessen gehen wir alle bald schlafen.

Der nächste Tag begrüßt uns mit Hitze. Schon morgens zeigt das Thermometer 23 Grad an. Wir marschieren los und fangen schon bald an zu schnaufen. Es wird richtig warm. Ich wandere diesmal direkt von Anfang an mit Schirm, das ist einfach angenehmer. Ein paar Meilen später gibt es tatsächlich mal etwas Schatten. Andy und ich pflanzen uns direkt hin und genießen eine Pause.

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Nach der Pause geht’s weiter durch die immer heißer werdende Mittagssonne. Die Gedanken drehen sich nur noch um eins: Siesta. Der Plan ist beim Third Gate Water Cache für ein paar Stunden zu warten, bis es wieder kühler wird. Auf dem Weg dorthin liegt unter jedem Busch irgendein Hiker. Keiner kämpft sich durch diese Hitze. Am Cache angekommen packen wir uns auf den Boden und machen nichts mehr.

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Wir halten für ein paar Stunden Siesta, essen, trinken und schwitzen. Mit der Zeit wird es langweilig und wir entscheiden uns dafür weiter zu gehen. Im Gebüsch direkt neben dem Pacific Crest Trail fängt es plötzlich an zu rasseln. Ich interpretiere sofort richtig und warne Andy, der hinter mir läuft vor der Klapperschlange. Wir schauen nach und sehen sie versteckt im Busch liegen. Die erste Klapperschlange die wir sehen. Beschwingt geht’s weiter.  Glücklicherweise ist ein Wind aufgezogen, der uns die nötige Kühlung verschafft. Maike wird trotzdem etwas schwindelig mit der Zeit und wir verkriechen uns mal wieder in den Schatten.

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Irgendwann ziehen wir weiter. Ich schließe mich einem Hiker an und wir rennen fast bergab. Die Landschaft verändert sich rasant. Plötzlich ist alles grün und voller Bäume und Sträucher. Bald schon erreichen wir das Tal. Unser Ziel heute ist Barrel Spring, eine Quelle mit Campground drumherum. Der Pacific Crest Trail führt uns direkt dorthin. Es hängt schon eine Menge Hikertrash im Campground und wir gesellen uns dazu. Ein Truthahn schleicht durchs Camp, sehr lustig sehen die aus. Irgendwann kommen Maike und Andy im Camp an. Sie haben eine weitere Klapperschlange gesehen, die äußerst aggressiv war, weil Andy fast drauf getreten wäre. Das Thema des Abends! Wir erledigen die übliche Abendroutine und gehen schlafen, begleitet vom Geschrei einiger Frösche, die es sich an der Quelle bequem gemacht haben.

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Wir verlassen den Campground als vorletzte Gruppe und wandern los. Der Pacific Crest Trail zeigt mal wieder seine Vielfalt. Zunächst wird es wieder etwas trockener. Wir wandern bergauf und werden wieder einmal mit einem tollen Panorama belohnt. Schließlich erreichen wir ein offenes Tal das der Pacific Crest Trail schnurgerade durchquert. Dort in der Mittagssonne durch zu laufen muss der reine Horror sein. Wir lassen die Freifläche hinter uns und gelangen in ein Waldgebiet. Hier fließt sogar ein kleiner Bach.  Weil es so schön ist, lassen wir uns für eine Zeit nieder, kühlen die Füße und essen etwas.

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Nach der Pause führt uns der Pacific Crest Trail wieder aus dem grünen Wald hinaus ins flache, offene Land. Plötzlich sehe ich einen Felsen in der Ferne. Es ist die Steinformation, auf die ich mich schon die ganze Zeit gefreut habe: Eagle Rock! Ich steige hoch und schaue mir das ganze von der anderen Seite an und schon sieht der Felsen aus wie ein Adler, der die Flügel ausbreitet. Wir bleiben eine Weile dort und genieße diesen tollen Anblick.

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Danach ziehen wir weiter in Richtung Warner Springs. Der Weg dorthin ist warm. Auch das Wasser ist warm und erfrischt nicht mehr wirklich. Obwohl ich kürzlich gelernt habe, dass warmes Wasser eigentlich gesünder ist, sehne ich mich nach einem kalten Getränk. Zum Glück erreichen wir schnell das Community Center, welches ein wahres Hikerparadies ist. Hier gibt’s jede Menge Schatten, Duschen und Eis und Getränke für einen Dollar. Der Sheriff shuttlet die Hiker zum Post Office. Ich bezahle für die Dusche und stelle mich mitsamt meiner Kleidung in das Wasser. Ein schönes Gefühl! Ich wasche mich und meine Sachen, die ich danach zum Trocknen in die Sonne hänge.
Dann hol ich mir zwei Eis und packe mich in den Schatten.

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Ne Menge Hikertrash ist mit dabei und wir verbringen einen entspannten Nachmittag. Zwischendurch plündere ich die Hiker Box und staube ein Bandana und jede Menge Essen ab. Eugene macht nachmittags ein sexy Video von sich, wie er zu Happy tanzt. Er macht das für ein Fundraisingprojekt für einen Freund, der seit einer Schusswunde nicht mehr laufen kann. Sehr tolle Aktion. Danach gehen wir weiter. Noch fünf Meilen, bis wir das Zelt an einem kleinen Bach aufbauen. Zum Abendessen gibt’s Kartoffelpüree mit allem möglichen. Danach wird geschlafen.

Wir starten nach dem Frühstück und dem Wasserfiltern. Sofort geht es steil bergauf. Am Anfang ist das noch ganz angenehm, doch mit der Zeit wird es immer heißer. Ohne große Pause kämpfe ich mich 12 Meilen durch die Hitze. Es ist echt heftig. Bei 40 Grad in der prallen Sonne bergauf. Unterwegs begegnet mir eine Klapperschlange. Sie liegt mitten auf dem Pacific Crest Trail und ich halte sie zunächst für tot. Sie lebt aber doch und schreckt plötzlich aus dem Schlaf hoch und zieht sich ins Gebüsch zurück. Wenig später sehe ich eine weitere Schlange. Diese ist orange, weiß, schwarz gestreift. Über deren Identität sind sich alle unsicher. Es könnten zwei verschiedene Arten sein, eine davon ist tödlich. Aber auch diese Schlange nimmt die nicht vorhandenen Beine in die Hand und schlängelt davon.  Irgendwann erreichen wir schließlich das Haus von Trail Angel Mike. Ein wirklich komischer Ort. Hier bekommt der Begriff Hikertrash eine ganz neue Bedeutung. Es sieht alles total abgeranzt aus, trotzdem ist es irgendwie gemütlich. Ich hab keine Ahnung was das hier ist, aber es scheint ein Ort für Outlaws zu sein. Eine krasse Erfahrung! Wir essen Pfannkuchen und Bratkartoffeln und hängen richtig schön ab. Tom aus Kennedy Meadows ist auch hier und verteilt Eis. Läuft!

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Nach einigen Stunden und verrückten Erlebnissen entscheiden wir weiter zu gehen. Wir filtern noch etwas Wasser und dann geht’s zurück auf den Pacific Crest Trail. Schnell wird mir klar, dass ich zu viel gegessen habe.  Ich kämpfe mich bergauf, während die Sonne untergeht. Irgendwann finden wir einen netten Spot zum campen und schlagen die Zelte auf. Ziemlich bald gehen wir alle schlafen. Das war ein anstrengender Tag.

Der nächste Morgen beginnt ruhig. Frühstück, abbauen, losgehen. Das Wetter ist heute sehr angenehm, naja es ist ja auch erst 6:30…Ich sehe jede Menge schöner Echsen und Blumen. Nach 10 Kilometern erreichen wir die Tule Spring. Hier packen wir uns mit dem ganzen Hikertrash in den Schatten und essen und entspannen.

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Am frühen Abend gehen wir schließlich weiter. Mitten auf dem Pacific Crest Trail sehen wir mal wieder eine Schlange. Diese ist jetzt mal ausnahmsweise schwarzweiß gestreift. Überhaupt sieht man hier sehr viele verschiedene Tiere. Verschiedene Schlangen, jede Menge Echsen, Insekten, Vögel und Nagetiere. Besonders nett sind die Ground Squirrels, die im Boden leben und ständig hin und her flitzen. Wir gehen an der Schlange vorbei und ziehen weiter. Immer wieder zeigt sich die Wüste von ihrer schönsten Seite. Im Licht der Abendsonne machen Andy und ich noch eine entspannte Pause.

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Irgendwann in der Dunkelheit schlagen wir die Zelte an einer Stelle auf, wo schon andere Hiker schlafen. Ein langer Tag geht zu Ende und wir müssen Energie für den nächsten langen Tag sammeln.

Wir starten etwas später als sonst. Los geht’s mit guten drei Meilen bis zur Straße. Eigentlich wollten wir an der Straße einen Umweg machen um Wasser zu holen, aber unter einem Busch am Straßenrand entdecken wir einen Water Cache. Wir tanken also auf und machen uns auf den Weg in die Mount San Jacinto Area. Wir gewinnen stetig an Höhe und die Landschaft verändert sich stark. Plötzlich sind wir mitten in einem Pinienwald, der von großen Felsen durchzogen ist. Wirklich eine schöne Abwechslung zu der sonst so kargen Wüste. Es geht steil bergauf. Ich komme ganz schön ins schwitzen steige aber weiter auf. Die tolle Natur entschädigt für den anstrengenden Weg. Plötzlich fängt es an zu regnen und das Wetter schlägt um und ein Gewitter zieht auf. Sehr ungemütlich, aber nicht zu verhindern. Wir harren das schlimmste aus und gehen dann weiter.

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Ich komme irgendwann völlig kaputt an der Cedar Spring an und lege mich erstmal hin. Die anderen trudeln nach und nach ein und wir machen eine schöne Pause mit Mittagessen. Ab hier ist der Pacific Crest Trail für einige Meilen gesperrt, aufgrund eines Feuers vor ein paar Jahren. Deshalb müssen wir ab Cedar Spring eine Detour laufen. Von dort sind es dann nur noch sechs Meilen bergab bis zum Highway. Leider geht das letzte Stück über Asphalt, was sehr anstrengend ist. Am Highway warten wir etwa eine Minute und plötzlich taucht der Shuttle Typ auf mit dem wir schon aus Julian raus gefahren sind. Wir erfahren, dass er der Herde folgt und Leute gegen Spende shuttlet. Coole Sache! In Idyllwild lassen wir uns zum Campground fahren. Mike bezieht eine Cabin und wir bauen die Zelte auf. Wir laufen kurz durch den Ort, aber da ist schon alles tot. Also gehen wir zurück und essen und gehen schlafen.

Am nächsten Morgen machen wir ganz langsam. Wir machen heute einen Zero Day, das heißt wir gehen nicht weiter. Unsere Füße und Gelenke können so ein wenig entspannen. Jetzt sitzen wir gerade im CJs und warten auf Futter.

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