Ledertramp

Blog über modernes Nomadenleben, Natur, Freiheit und Lebenskunst

PCT Thruhike 2015: Campo – Julian

Ich bin jetzt bereits seit einigen Tagen auf dem Pacific Crest Trail unterwegs und es wird Zeit für das erste Update!
Der Donnerstag begann für uns sehr früh. Um fünf Uhr morgens haben wir uns aus den Betten gequält und uns fertig gemacht. Um 5:30 gab es ein leckeres Frühstück und kurz darauf ging es auch schon los in Richtung mexikanische Grenze, wo der Pacific Crest Trail beginnt. Dort angekommen haben wir erst mal die üblichen Fotos gemacht. Es ist schon komisch jetzt wirklich hier zu sein. Die nächsten Monate werden wir auf diesem Trail verbringen. Ich verschiedene mich von Scout und schon gehen wir los. Ich schiebe meine Hand kurz unter den Zaun nach Mexiko und setze meine ersten Schritte auf dem Pacific Crest Trail.  Das Wetter spielt mit. Es ist bewölkt und angenehm kühl. Wir kommen gut voran. Der Weg ist superleicht zu finden.  Immer wieder treffen sich die Hiker an schönen Plätzen zur gemeinsamen Pause.

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Ansonsten verläuft es sich ganz gut. Die Vegetation ist faszinierend. Obwohl wir offiziell in der Wüste sind, ist alles voller Pflanzen. Kakteen, Büsche und jede Menge Blumen säumen den Wegesrand. Wir laufen und laufen und sind schon sehr früh am Hauser Creek Campground wo wir heute zelten wollen. Dort sind schon zwei Typen. Den Joint den sie uns anbieten lehnen wir dankend ab und bauen unser Zelt auf. Mit der Zeit trudeln immer mehr Hiker ein,  sodass der Campground am Ende aussieht wie ein Festival. Wir unterhalten uns bis es dunkel wird und gehen müde ins Zelt.

In der Nacht regnet es tierisch, sodass wir in Kombination mit Kondenswasser sehr nass werden. Morgens sind alle etwas geknickt. Einige „welcome to the desert“ Sprüche später machen wir uns auf den Weg nach Lake Morena,  wo der Kickoff stattfindet. Das ist eine Art Festival für die Hiker mit Seminaren, Vorträgen, Gear Shops und jeder Menge Spaß. Dort bleiben wir zwei Nächte. Das Wetter ist nicht sehr gnädig, aber dank unseres neu erstandenen Zeltliners bleiben wir nachts trocken! Ansonsten hören wir viele interessante Präsentationen,  lernen massenhaft Leute kennen und essen viel.

Am Sonntag geht es für uns dann weiter auf dem Pacific Crest Trail. Schon nach kurzer Zeit erleben wir unsere erste Trail Magic. Trail Magic bedeutet dass wildfremde Menschen, die die Hiker unterstützen wollen,  irgendwo Snacks oder Getränke deponieren. Hier stehen wir jetzt also unter einer Highwaybrücke und finden einen Karton voller Schokoladeneier. Sofort wird fleißig verputzt. Jede extra Kalorie wird gerne angenommen. Danach geht es zügig weiter. Wir gewinnen stetig an Höhe. Irgendwann knacken wir die 2000m Grenze. Die Sonne scheint und immer wieder werden wir mit fantastischen Aussichten belohnt.

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Wir machen hin und wieder Pause, treffen immer wieder auf bekannte Gesichter. Wir planen heute zum Burnt Rancheria Campground zu gehen,  als etwa 20 Meilen. Der Weg dorthin ist sehr abwechslungsreich. Mal ist man im kargen Gelände unterwegs, dann wieder in bunten Blumen oder in urwaldartigen Wäldern. Die letzte Meile schließlich will und will nicht umgehen bis wir schließlich müde den Campground erreichen. Dort mieten wir mit anderen Hikern zusammen einen Platz und bauen die Zelte auf.

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Ich mache mir ein leckeres Abendessen aus allem möglichen,  staube etwas gratis Müsli ab und bin zufrieden.  Ich esse hier auf dem Trail eine Menge und bin  immer auf der Suche nach etwas essbarem. Ich habe zwei gut gefüllte Foodbags dabei. Das alles hat mir den Trailname EatItUp eingebracht. Nicht schlecht wie ich finde. Nach einer gemütlichen Runde am Lagerfeuer mit Ukulele und Gesang gehen wir alle schlafen.

Der nächste Tag beginnt sehr gemütlich. Wir frühstücken und genießen die Morgensonne. Heute wollen wir es etwas langsamer angehen. Wir laufen nach Mount Laguna, einem kleinen Ort, wo wir zunächst bei einem Outfitter halten. Dort treffen wir auf jede Menge andere Hiker, die ebenfalls die Sonne genießen. Vor dem Shop gibt es mal wieder Trail Magic in Form von eisgekühlten Getränken. Wir zischen uns eine Cola und ich staube massenhaft Essen aus der Hiker Box ab. Im Shop selbst sieht es fantastisch aus. Auf engstem Raum ist tonnenweise Ausrüstung untergebracht. Andy, dem ich den Trailname Wonderhand gegeben habe, kauft etwas Seamsealer für sein Tarp und Madam Hooch und Nina kaufen Fressalien. Danach gehen wir in der Lodge noch ein Eis essen und Wonderhand holt sein Resupplypaket ab. Danach geht’s dann aber wieder auf den Trail. Genug gegammelt für heute. Wir wandern einige Meilen durch bewaldetes Gebiet, was sehr angenehm ist. Irgendwann gehen wir um eine Kurve und stehen plötzlich direkt vor der Wüste. Der Ausblick kam vollkommen überraschend und ich weiß nicht ob ich jemals so eine weite Sicht hatte.

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Wir machen eine ausgiebige Pause und genießen die Aussicht. Irgendwann gehen wir weiter und der Pacific Crest Trail schlängelt sich entlang der Berge immer mit diesem tollen Blick auf die Wüste. Wir erreichen einen Campground,  wo eine ältere Dame uns Wasser schenkt. Sie macht sich Sorgen um die Hiker und ist extra hier hoch gefahren um Wasser vorbei zu bringen. Wahnsinn! Die meisten bleiben hier aber wir reißen noch vier Meilen ab und bauen unser Zelt schließlich im Sonnenuntergang zwischen einigen Felsen auf. Nach dem Essen gehen wir sofort schlafen.

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Mit diesem Blick wachen wir morgens auf. Wunderschön! Zum Frühstück esse ich Honeybuns und Brownies mit Erdnussbutter. Bald darauf wandern wir los. Schon früh wird uns klar, dass das ein heißer Tag wird. Die Sonne steht hoch am Himmel und knallt auf uns herab während wir immer weiter in Richtung der wirklichen Wüste wandern. Die Vegetation ändert sich langsam. Es gibt weniger hohe Gewächse, dafür mehr Kakteen, die wunderschön blühen. Die Blicke sind wieder einmal atemberaubend. Wir machen viele Pausen, essen und trinken und verkriechen uns unter unsere Schirme. Schatten ist hier Mangelware, daher verstecken wir uns.

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Die Holzschuhs kommen vorbei und sind neidisch, sie haben nämlich keine Schirme. So vergeht der Tag. Wandern, trinken, essen und Pause machen. Irgendwann füllen wir nochmal etwas Wasser auf und gehen noch ein paar Meilen. Wir finden einen tollen Platz mit Blick auf die Berge,  Sonnenuntergang inklusive. Dort schlagen wir das Lager auf. Wonderhand seamsealed sein Tarp.  Nach dem Abendessen gehen wir alle schlafen.

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Die Nacht war unglaublich warm. Ich habe ziemlich geölt. Wir brechen das Lager ab und gehen los. Der Plan ist, zum Highway zu laufen und nach Julian zu trampen. Es ist schon früh super heiß und ich spanne meinen Schirm auf. Wir laufen zügig und erreichen die Straße, wo uns schon bald ein cooler Typ nach Julian mitnimmt. Dort schauen wir uns erstmal um und jetzt sitzen wir im Mom’s und essen kostenlosen Applepie mit Vanilleeis. Der Wahnsinn!

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Heute Abend gehen wir noch ein paar Meilen und dann geht’s weiter in Richtung Warner Springs! 

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