Ledertramp

Blog über modernes Nomadenleben, Natur, Freiheit und Lebenskunst

PCT Thruhike 2015: Etna – Seiad Valley

Wir verbringen den Tag in Etna, holen unser Resupplypaket ab, essen Eis und recherchieren das ein oder andere im Internet. Außerdem bestellen wir uns wieder Regional Rate Boxen nach Ashland. Von dort wollen wir uns für den Rest des Pacific Crest Trails Resupplypakete schicken. Am frühen Abend machen wir uns an den Hitch zurück zum Trailhead. Wir werden zunächst bis Callahan mitgenommen. Dort gabeln uns ein paar junge Leute auf, die am See schwimmen waren. Sie fahren uns zum Trail und wir unterhalten uns noch eine Weile. Robbie, einer der Freunde ist vollkommen verrückt. Wir lachen viel und haben jede Menge Spaß. Mit eine der witzigsten Begegnungen bisher auf dem Pacific Crest Trail. Später dann bauen wir unser Zelt in der Nähe des Highways auf und genießen den Abend.

Am nächsten Morgen heißt es erstmal auf zur nächsten Quelle. Die ist nach fünf Meilen erreicht und entpuppt sich als kaltes, klares Wasser, das direkt aus der Erde kommt. Das freut auch die Vegetation. Sehr grün ist es hier. Die erste Pause ist getan und es geht weiter. Es wird immer heißer. Die tollen Aussichten, die ich heute habe können mich davon auch nicht ganz ablenken. Ich wandere tapfer weiter auch wenn meine Augen vom Schweiß brennen. An einer weiteren Quelle finde ich um die Mittagszeit ein schattiges Plätzchen und bleibe dort eine ganze Weile.

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Es ist verrückt, was für einen großen Unterschied Schatten macht. Ich genieße die Aussicht ins Tal, aus dem Kuhglocken läuten, esse eine Birne und lese etwas. Später dann mache ich mich an die nächsten zehn Meilen. Mit der Zeit wird es wieder etwas rauchig. Wir haben erfahren, dass in der Gegend mehrere Feuer brennen. Das sieht und riecht man auch. Nicht sehr angenehm, aber es gehört auch dazu. Am Scott River fülle ich Wasser für die Nacht auf und mache mich an die letzten, sehr steilen zwei Meilen. Ich baue das Zelt auf und bin froh zu liegen.

Heute steht uns einiges bevor. Zum Glück wachen wir recht früh auf. 26 Meilen und ordentlich Steigung stehen heute auf dem Plan. Warum das denn? Es ist mal wieder das Wasser schuld daran. Am Ende des heutigen Tages liegt eine recht lange, wasserlose Strecke Pacific Crest Trail vor uns. Daher wird heute mal wieder ein Marathon gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes. Da wir auf halber Strecke einen Berg hinauf gezeltet haben, geht’s wie gewohnt direkt bergauf. Der Rauch ist immer noch dicht und hinzu kommen heute auch Regenwolken.

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Ich wandere recht zügig los. Möchte nicht zu spät ankommen. Nach nicht allzu langer Zeit hole ich Wasser und mache eine kleine Pause. Meine Taktik für heute lautet: Etwa alle sieben Meilen wird Pause gemacht, gegessen und getrunken. Dafür gibt’s keine lange Mittagspause. Damit hoffe ich schneller und erholter voran zu kommen. Es klappt auch ganz gut. Ich mache gut Meilen. Zwischendurch regnet es immer wieder, was echt nervig ist. Schirm raus, rein, raus…immer so weiter. Als ich allerdings das nächste mal Pause mache, kommt sogar kurz die Sonne raus.

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Generell ist es heute eher unspektakulär. Jedenfalls für einen verwöhnten Pacific Crest Trail Hiker. Es geht dauernd bergauf uns bergab. Irgendwann erreiche ich die 1600, wieder ein Meilenstein und wieder hundert Meilen näher an Canada! Kurz vor dem heutigen Ende gehe ich offtrail nochmal Wasser holen. Ein paar Meter weiter baue ich dann das Zelt auf. Der Campspot ist wunderbar gerade. Ich lege mich rein, gucke raus und esse Schokolade. So kann ein langer Tag zu Ende gehen.

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Am nächsten Morgen gönnen wir uns noch etwas Ruhe, bevor wir uns auf den Pacific Crest Trail begeben. Schließlich geht’s dann los. Das Wetter ist heute zum Glück wieder schön. Dafür wird es aber auch schon sehr bald ziemlich heiß. Ich schwitze tierisch und freue mich schließlich sehr, als ich einen kalten Bach erreiche. Dort wasche ich mir erstmal das Gesicht und hole mir gutes kaltes Wasser. Dann setze ich mich auf einen Stein, mache Pause und genieße die schöne Aussicht.

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Danach geht’s weiter. Der Pacific Crest Trail fordert heute. Es geht teilweise sehr steil bergauf und der Boden ist mit Felsbrocken übersät. So kommt man schwerer voran. Die Hitze tut ihren Teil dazu. Zwischendurch kommt man durch abgebrannten Wald, wo sogar noch Asche auf dem Boden liegt. Das staubt ziemlich. Gegen Ende des Tages erreiche ich nochmal eine wunderbare, eiskalte Quelle.

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Ich hole köstliches Wasser und mache mich an die letzten drei Meilen. Schließlich komme ich an einem See an und baue das Zelt auf. Dann versuche ich im See zu schwimmen, was aber misslingt, denn ich sinke bis zum Knie im Uferschlamm ein. Also gehe ich zurück zum Zelt und esse stattdessen.

Heute früh brechen wir dann mal wieder unseren Rekord. Erst um zwanzig vor elf geht’s los. Nun ja wir haben auch einen vergleichsweise leichten Tag vor uns. Zwanzig Meilen und nur 1000 Höhenmeter. Nach dem Frühstück und einem Gespräch mit zwei weiteren Hikern wandern wir los. Zunächst nur zur nächsten Quelle, wo wir uns mit frischem Wasser versorgen. Kalt und köstlich. Es verspricht wieder sehr heiß zu werden. Zum Glück ist Wasser heute fast ständig vorhanden. Der Pacific Crest Trail führt uns zunächst über Wiesen auf denen vereinzelt Bäume stehen.

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Irgendwann um den Mittag rum beginnt der Abstieg. Wir werden heute sehr viel hinab gehen. Leider müssen wir das morgen auch wieder rauf, aber daran denke ich jetzt lieber nicht. Ich genieße lieber das angenehme Wandern. An einem gut fließenden Bach raste ich. Ich will eigentlich gerne eine Weile bleiben, aber ich werde von Moskitos terrorisiert und so bleibe ich nicht lange.

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So mache ich mich also daran, zum Grider Creek zu wandern. Dieser ist bald erreicht und wird auf den nächsten Meilen viermal überquert. Letztes Jahr gab es hier ein schweres Feuer, sodass viele Bäume verbrannt sind. Zusammen mit dem reißenden Bach kommt schon fast Endzeitstimmung auf. Nachdem die letzten Meter nochmal fordernd waren erreiche ich abends den Campground am Grider Creek. Ich baue auf und gehe mich im Bach waschen. Das tut wahnsinnig gut. Danach sitze ich zusammen mit einigen Hikern und plaudere. Immer mehr Hiker kommen an und so wird es ein richtig netter Abend.

Am nächsten Morgen geht’s direkt nach Seiad Valley. Das ist ein Winzort. Hierher müssen wir leider sechs Meilen Straße gehen, aber als wir dann da sind, ist das vergessen. Zusammen mit vielen anderen Hikern bereiten wir uns seelisch auf den weiteren Teil des Pacific Crest Trails vor. Ein wahrhaft heftiger Anstieg steht uns bevor. Also man wird sehen!

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