Ledertramp

Blog über modernes Nomadenleben, Natur, Freiheit und Lebenskunst

PCT Thruhike 2015: Sierra City – Belden

Unser Morgen auf der Wiese neben der Kirche beginnt recht früh. Das lange schlafen verlernt man auf dem Pacific Crest Trail mit der Zeit. Ich werde langsam wach und höre in der Nähe einen Mann mit lauter Stimme sprechen. Er zählt auf, was er alles zum Frühstück aufgetischt hat. Das Interesse ist geweckt! Wir stehen auf und gehen mal gucken, was da so passiert. Neben einem Wohnmobil, welches der Wohnsitz von Jim ist, sitzen schon einige Hiker am Tisch und spachteln. Jim ist ein alter Mann, der aber noch eine gute Portion Jugend in sich hat. Sehr unterhaltsam führt er uns in das Frühstück ein. Es gibt wirklich viel. Süßes Gebäck, Brot, Marmelade, Kaffee, Chips, Kekse, Joghurt, Bananen, Äpfel und köstliche Birnen. Wir futtern uns durch und unterhalten uns mit anderen Hikern. Es ist ein schöner Morgen. Später gehen wir dann zum Grocery Store, wo wir weiter rumgammeln, holen unser Paket ab und genießen den Tag. Am späten Nachmittag machen wir uns auf den Weg Richtung Pacific Crest Trail. Das letzte Stück zum Trail werden wir mit genommen, dann geht’s wieder rein in den Wald. Es geht sofort bergauf und zwar für die ganze Zeit. Bald wird der Weg steinig und die Bäume verschwinden. Ich passiere dir 1200, langsam gehört das wirklich zum Alltag. 100 Meilen sind echt nicht mehr viel für mich. Ich weiß noch, dass die ersten hundert Meilen mir so lang vor kamen. Jetzt sind hundert Meilen nicht viel mehr als ein Katzensprung. Ich wandere weiter bergauf und es ist wirklich sehr steil. Aber die Aussicht…traumhaft schön im Abendlicht.

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Nach einiger Zeit tanken wir Wasser an einer Quelle auf, dann mache ich mich auf die Suche nach einem Campspot. Ich treffe einen anderen Hiker neben dem noch Platz ist. Ich stelle auf, Maike und die Brüder des Hikers kommen dazu. Wir essen gemeinsam zu Abend und reden noch etwas,  dann geht’s ins Bett.

Als ich am nächsten Morgen auf die Uhr schaue, ist es schon nach acht. Wir beschließen einen ruhigen Tag zu machen und nur 18 Meilen zu wandern. Als wir schließlich die Füße auf den Pacific Crest Trail setzen, ist es schon zehn Uhr. Der Tag beginnt mit ein wenig bergauf gehen. Wald und Felslandschaft lösen sich immer wieder ab. Hin und wieder hat man eine schöne Aussicht ins Tal und auf ein paar Seen.

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Irgendwann setze ich mich auf einen Baumstamm und mache eine kleine Pause. Auch Maike kommt dazu. Nach einer Weile geht wieder jeder seiner Wege. Es geht immer wieder bergauf und bergab. Um die Mittagszeit haben wir zehn Meilen geschafft und ich geselle mich zu Thunderbunny, Chef, The Kid und Mush. Gemeinsam philosophieren wir über Trail Food und zeigen uns gegenseitig, was die Foodbags so hergeben. Auch Maike kommt irgendwann dazu und wir machen gemütlich Mittagspause.

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Danach haben wir noch einmal acht Meilen zu wandern. Es geht gut bergauf, nur um dann wieder bergab zu gehen. Zwischendurch wird an der A Tree Spring noch ein wenig Wasser aufgefüllt. Das Wasser ist ganz klar und kalt und schmeckt sehr frisch. Am Abend erreichen wir unseren Campspot. Wir machen noch ein kleines Feuer und kochen unser Essen zur Abwechslung mal warm. Wir lümmeln noch ein wenig mit Whatever herum, dann gehen wir alle in die Schlafsäcke.

Auch der nächste Tag beginnt sehr faul. Im Moment sind wir ein wenig träge. Auch Whatever liegt noch in seinem Schlafsack und liest. Schließlich schaffen wir es dann doch noch aufzustehen. Zwei Meilen wandern wir, dann holen wir Wasser. Der Pacific Crest Trail ist im Moment wenig spektakulär. Nur hin und wieder bekommt man eine tolle Aussicht. Meist geht es durch dichten Nadelwald. Das hat aber auch seinen Reiz. Einige der Bäume sind wahnsinnig hoch, so hoch, dass ich sie nicht komplett auf ein Foto bekomme.

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Außerdem wandelt eine Menge Wild herum. So sehe ich heute einige Rehe, die überhaupt keine Scheu zeigen und sich aus der Nähe beobachten lassen. Ansonsten sieht man wieder viele Hörnchen, Vögel und Schmetterlinge. Hier gibt es eine Art Schwalbenschwanz, der sehr prächtig aussieht. Das Wetter ist gut, es riecht nach wildem Salbei und so wandere ich dahin. Zwischendurch machen wir Mittagspause. Immer wieder trifft man andere Hiker. Als wir am Abend das geplante Ziel erreichen, eine Quelle, stellen wir fest, dass hier kein Zelten möglich ist. Es ist entweder zu steil oder zu dicht bewachsen und so holen wir nur Wasser und gehen noch ein Stück weiter. Auf einer Ridge schlagen wir schließlich mit anderen Hikern die Zelte auf und gehen bald schon hinein.

Für den nächsten Tag hat sich der Pacific Crest Trail etwas ganz besonders schönes für uns ausgedacht: Einen besonders langen Aufstieg. Aber zuvor dürfen wir noch ein bisschen bergab gehen. Bald schon erreiche ich einen Fluss, der mit lautem Getöse bergab fließt. Eine Brücke führt herüber und von oben kann man in die erstaunliche Tiefe des Wassers blicken.

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Nachdem ich die Brücke überquert habe, bin ich von dichtem Wald umgeben. Der Weg geht bergauf und ich bekomme schonmal einen kleinen Vorgeschmack auf das, was ich gleich für ganze sieben Meilen tun werde. Zuvor geht es aber nochmal gerade. An einem schattigen Bach füllen wir Wasser auf und stärken uns für den langen Anstieg.

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Dieser geht dann erstaunlich leicht vom Fuß. Es ist nicht anstrengend. Es ist zwar sehr heiß, aber trotzdem komme ich zügig und gleichmäßig voran. Schließlich erreiche ich die Spitze und genieße das Bergpanorama.

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Ein Stück später werden die leeren Wasserflaschen wieder gefüllt. Ich überlege kurz, ob ich eine längere Pause mache, entscheide mich dann aber für das Weitergehen. Und das war ein Glück, denn wenig später entdecke ich ein Felsplateau, das in die Tiefe ragt und eine geniale Aussicht bietet. Dort werden also die nächsten Stunden verbracht.

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Danach ist es dann schon recht spät. Trotzdem gehen wir noch ein paar Stunden, bevor wir unser Lager für die Nacht aufschlagen.

Heute geht’s Richtung Belden! Wir wandern ein paar Meilen, dann holen wir Wasser. Es verspricht ein sehr heißer Tag zu werden. Plötzlich ist wieder alles voller Hiker. Gestern haben wir keinen gesehen und heute sind sie alle wieder da. Manchmal ist das echt verrückt. Es geht einige Meilen bergauf, glücklicherweise durch den Wald, sodass es nicht allzu heiß ist. Irgendwann wird der Wald allerdings lichter und wir haben tolle Sicht auf den Silver Lake. Ich befinde den Platz als zu perfekt, um einfach vorbei zu gehen und lasse mich für eine gute Weile nieder.

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Danach geht es baumlos über eine Ridge, dann etwas bergab zurück in den Wald. Die Mittagshitze knallt jetzt sogar durch die Blätter. Ich zapfe nochmal Wasser, dann mache ich mich an den langen und mühsamen Abstieg nach Belden Town.

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Dort angekommen schlage ich das Zelt auf und wir schauen mal was in diesem Drei-Häuser-Dorf so los ist. Tatsächlich viel. Am kommenden Wochenende findet hier ein Festival statt und es sind schon ein paar Leute am aufbauen. Wir tauschen uns ein wenig mit anderen Hikern aus und essen einen Burger mit Pommes. Ganz lecker! Danach gehen wir zurück zum Zelt. Die letzten Tage waren recht anstrengend und so gehen wir früh schlafen.

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