Ledertramp

Blog über modernes Nomadenleben, Natur, Freiheit und Lebenskunst

PCT Thruhike 2015: Kennedy Meadows – Independence

Der nächste Tag vergeht recht ereignislos. Wir gehen frühstücken, holen unsere Bear Canister, essen Burger und Eis und treffen jede Menge Leute wieder, die wir teilweise ewig nicht gesehen haben.

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Abends reden wir noch lange mit allen, bevor uns schlafend auf die Sierras vorbereiten. Die Wüste liegt hinter uns. Vor uns liegt das Hochgebirge.

Ich wache schon um 5:30 auf und kann nicht mehr schlafen. Aber es dauert noch fünf Stunden, bis wir los kommen. Dann jedoch geht alles ganz schnell. Noch ein paar Meilen herrscht ein Kampf zwischen Wüste und Wald, dann siegt die zweite Partei. Die Landschaft ändert sich rasant. Plötzlich ist alles grün und voller Bäume. Die Berge kommen ins Blickfeld.

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Am Kern River tanken wir etwas Wasser auf. Jetzt müssen wir uns weniger Gedanken darüber machen, wo das nächste Wasser ist. Wir wandern weiter. Copper Tone kommt uns hikend entgegen, bekleidet nur mit einem Minirock. Und irgendwie passt das sogar. Später fängt es an zu regnen, dann zu donnern und schließlich zu hageln. Ich suche Schutz unter einer Pinie und sitze das Unwetter aus. Später klart es wieder auf. Der Pacific Crest Trail geht bergauf und plötzlich stehe ich am Rande einer riesigen Grünfläche. Einfach nur atemberaubend. Diese durchquere ich und dann geht’s wieder bergauf. Immer wieder hat man eine schöne Aussicht ins grüne Tal.

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Nachdem es eine Zeit recht eben ging, geht es dann wieder bergab. Schließlich erreiche ich einen weiteren Arm des Kern Rivers, wo schon einige Hiker rasten. Ich geselle mich dazu, esse und genieße die Sonne und die schöne Natur.

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Danach sind es nur noch drei Meilen bis zu unserem Camp. Diese gehen erst noch über eine Freifläche, dann wieder in den Wald. Am Campspot angekommen begeben wir uns schon bald zur Ruhe.

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, ist es sehr kalt. Wir bleiben also noch eine gute Weile im Schlafsack liegen. Als wir uns schließlich dazu aufraffen können los zu gehen, geht es sofort steil bergauf. Wir erklimmen den Olancha Pass. Es ist sehr anstrengend. Nicht nur, dass es steil ist, auch die Höhe kommt dazu. Wir befinden uns weit jenseits der 3000 Meter. Zudem ist der Rucksack einfach nur schwer. Mit Bear Canister und sehr viel Futter habe ich ordentlich was auf dem Buckel. So mache ich schließlich eine Pause, esse etwas und genieße die Aussicht.

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Danach geht’s etwas leichter, außerdem verläuft der Pacific Crest Trail wieder bergab. Ich gehe also munter nach unten. Irgendwann erreiche ich die Devil Spring. Hier sind schon einige Hiker. Wir machen eine gemütliche Pause. Irgendwann gehen wir Wasser auffüllen. Das dauert recht lange, denn die Quelle führt nur wenig Wasser. Als wir zurück kommen, hat ein Streifenhörnchen Andys Snackbag aufgebissen und entflieht gerade mit einem roten M&M, sehr putzig!

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Wie das so ist auf dem Pacific Crest Trail geht es nun wieder bergauf. Es geht zunächst durch den Wald, aber irgendwann erreiche ich eine bizarre Felslandschaft. Ich schieße einige Fotos und trödel ein wenig herum. Plötzlich fliegt ein Düsenjet keine fünfzig Meter über meinem Kopf her und fliegt eine Schraube. Beeindruckend!

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Am Abend schließlich erreichen wir unser Ziel für den Tag. Wir bauen die Zelte auf Piniennadeln auf. Dams ist schön weich. Dann essen wir gemeinsam auf den Felsen zu Abend, genießen die Abendsonne und die tolle Aussicht und verkriechen uns bald darauf in unseren Zelten.

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Der nächste Tag beginnt für uns mit einer bösen Überraschung. Ein Nagetier hat sich durch das Mückennetz unseres Zeltes gebissen, Maikes Tortilla gefressen und in ihre Schüssel gekackt. So eine miese Scheiße. Wir sind verständlicherweise frustriert. Trotzdem muss es ja weiter gehen. Das Zelt wird notdürftig mit Tape geflickt, dann wird gefrühstückt und es geht los. Die ersten vier Meilen verlaufen ruhig. Dann kommen wir an Diaz Creek an, wo wir uns mit Wasser versorgen. Lang bleiben wir nicht, denn es ist sehr kalt.

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Danach geht’s bergauf. Wir haben Glück mit dem Wetter. Bei uns bleibt es meist trocken, während man in der Ferne Regen und Gewitter sehen kann. Immer wieder erhasche ich Blicke auf die hohen Berge, die wir bald besteigen werden. Einer davon ist Mt. Whitney, mit 4422 Metern Höhe der höchste Berg unserer Reise. Den Gipfel werden wir hoffentlich übermorgen erobern.

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Wenig später treffe ich auf Andy. Er kommt mir von einem Sidetrail entgegen und sieht gar nicht glücklich aus. Er hat sich vier Meilen verlaufen und ist anderthalb Stunden umsonst gelaufen. Im selben Augenblick verliere ich dieses Gummiding von meinem In-Ear Kopfhörer. Heute ist wirklich der Wurm drin. Wir stiefeln weiter und machen bald an einem See halt, wo wir erstmal ordentlich Pause machen.

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Nach einiger Zeit, die wir mit essen, liegen und Wasser holen verbringen, gehen wir weiter. Es geht steil bergauf und ist wahnsinnig anstrengend. Mein Herz pumpt wie ein Maschinengewehr und ich muss ein paar mal stehen bleiben um wieder zu Atem zu kommen. Irgendwann jedoch erreiche ich die Spitze und ich betrete den Sequoia and Kings Canyon National Park.

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Andy holt mich ein und wir gehen die letzten Meter gemeinsam. Schließlich erreichen wir eine gute Stelle und bauen die Zelte auf. Ein riesiger Hase sitzt in der Nähe und mümmelt vor sich hin. Wir essen zu Abend, dann wird das Essen außerhalb des Innenzeltes verstaut. Beim Versuch einen Bear Bag aufzuhängen, verklemmt sich das Gewicht des Seils so stark in einer Astgabel, dass wir das Seil nicht mehr gelöst bekommen. Ein runder Abschluss eines Tages voller Missgeschicke.

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Am nächsten Morgen kommen wir kaum aus dem Zelt raus. Es ist kalt und wir sind noch müde. Aber wir raffen uns auf und gehen los. Zunächst geht es noch entspannt gerade durch den Pinienwald. Dann erreiche ich einen kleinen Bach, wo ich eine Pause mache und etwas esse.

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Danach geht’s sofort sehr steil bergauf und zwar ziemlich lange. Es ist unglaublich anstrengend. Der schwere Rucksack und die Höhe tun ihren Teil zu der ohnehin schon anspruchsvollen Strecke dazu. Ich schnaufe und der Herzschlag ballert. Zum Glück erreiche ich dann die Spitze des Aufstiegs und gehe hinab in ein Tal.

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Auf dem Weg hierher habe ich Rehe, Streifenhörnchen und Murmeltiere gesehen. Jedenfalls glaube ich, dass das eine Art Murmeltier ist. Sie sehen etwas anders aus als die, die ich aus den Alpen kenne. Irgendwann erreiche ich eine Abzweigung. Hier geht es zum Mount Whitney. Man sieht ihn von hier auch gut. Sogar etwas Schnee liegt auf dem Gipfel.

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Obwohl der Berg nicht zum Pacific Crest Trail gehört, wollen wir ihn besteigen. Wir bauen unser Basislager im Tal am Fuß des Berges auf. Morgen soll es dann so weit sein und wir nehmen unseren Gipfelversuch in Angriff. Wenn das Wetter mitspielt. Im Moment regnet es nämlich und es gibt Gewitter. So gammeln wir den Rest des Tages in den Zelten herum und bereiten uns seelisch auf die anstrengende Tour morgen vor.

Der Tag beginnt um vier Uhr morgens. Unser Wecker klingelt, der von Andy hat versagt. Er wollte eigentlich schon um zwei Uhr starten, dementsprechend ist er nicht in guter Stimmung. Während wir noch frühstücken, rennt er schon mal los. Wir starten dann um fünf. Es ist tierisch kalt und wir haben unsere warmen Sachen an. Schon nach kurzer Zeit legen wir aber einige Lagen ab. Während wir wandern wird es langsam hell. Der Weg führt uns vorbei an einigen Seen und durch lichten Pinienwald. Dann steigen wir konsequent auf und überqueren die Baumgrenze. Bald schon können wir einen ersten Blick auf das ganze Whitneymassiv werfen.

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Es sieht sehr beeindruckend aus und überhaupt nicht so, als könnte man dort hinauf steigen. Am Guitar Lake, der wie eine Gitarre geformt ist, zelten einige andere Bergsteiger. Über Nacht hat es viel Neuschnee und Hagel gegeben. So stapfen wir jetzt erstmals durch Schnee. Ich werde langsam schneller. Ich fühle mich erstaunlich gut im Vergleich zu gestern und gewinne stetig an Höhe. Immer wieder blicke ich hinab. Die Aussicht ist schon jetzt atemberaubend. Mittlerweile stecke ich in immer tieferem Schnee. Während ich mich in Schlangenlinien die Steilwand hoch quäle, wird es wärmer. Die Sonne beleuchtet nun die ersten Berge. Nach circa drei Stunden erreiche ich den Gipfelgrat. Von hier sind es jetzt noch knapp zwei Meilen bis zum Gipfel. Zwei sehr anspruchsvolle Meilen. Es geht durch tiefen Schnee einen sehr schmalen Grat entlang. Man muss gut aufpassen wo man hin tritt. Kurze Zeit später kommt mir Whatever entgegen, der schon sehr früh auf dem Gipfel war. Ansonsten sind bisher nur zwei Menschen im oberen Gipfelbereich. Ich steige weiter bergauf und erreiche schließlich den Westsattel psl. Dann sind es nur noch wenige Meter bis zum Gipfel. Hier sind wir zu dritt und genießen den fantastischen Blick. Wir sind auf dem höchsten Berg der USA außerhalb Alaskas. Wahnsinn! Ein unglaublich weiter Blick in alle Richtungen.

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Wir verbringen mehrere Stunden auf dem Gipfel. Nach und nach kommen weitere Bergsteiger hinzu. Irgendwann mache ich mich an den Abstieg. Der ist dann kein Problem mehr. Ich muss viele Bergsteiger durchlassen, teils mit festen Schuhen und Steigeisen. Für die müssen wir mit unseren leichten Schuhen wie Verrückte wirken. Irgendwann erreiche ich wieder Guitar Lake und schließlich das Camp. Es war anstrengend aber großartig. Eine der tollsten Erfahrungen meines Hikerlebens. Den Rest des Tages erholen wir uns im Camp.

Am nächsten Morgen lassen wir es ganz ruhig angehen. Wir frühstücken, bauen ab und holen dann noch Wasser am Fluss. Dann geht es über den John Muir Trail wieder zurück auf den Pacific Crest Trail. Das heißt beide Trails werden zu einem und verlaufen die nächsten Tage zusammen. Der Weg geht abwechselnd rauf und runter. Er führt uns durch Wald und bietet uns hin und wieder tolle Aussichten auf die Berge, die uns erwarten.

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Bei einem Bach mache ich schließlich eine kleine Pause, esse etwas und fülle neues Wasser auf. Danach gehe ich weiter in Richtung Forester Pass. Das ist der höchste Punk des Pacific Crest Trails und diesen werden wir heute überschreiten. Doch zuvor sind es noch einige Meilen. Es müssen einige Flüsse überquert werden. Um trockene Füße zu behalten,  muss man einen ziemlichen Tanz über die Steine aufführen. Irgendwann erreiche ich die Baumgrenze und der Pacific Crest Trail führt mich von nun an durch felsige Landschaft, die von Seen und Bächen durchzogen ist. Bald entdecke ich Andy, der sein Zelt aufgebaut hat und sich vor der Sonne versteckt. So machen wir also Mittagspause am Fuß des Forester.

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Hin und wieder kommen Hiker vorbei und wir beobachten sie bei ihrem Weg den Pass hinauf. Irgendwann entdecken wir ein Murmeltier, dass ganz bei uns in der Nähe sitzt. Mit der Zeit wird es zutraulich und kommt immer näher. Auch ein paar Nüsse holt es sich. Murmeltiere sieht man hier wirklich dauernd und sie sind echt lustig. Einige Zeit später machen wir uns dann selbst an den Aufstieg. Der ist erstaunlich schnell gemeistert. Mittlerweile sind wir perfekt aklimatisiert und Höhen über 4000 Meter sind nicht mehr anstrengend. Oben auf dem Pass machen wir noch einmal kurz Pause und genießen zusammen mit anderen Hikern den Blick. Dann machen wir uns an den Abstieg durch die verschneite Nordseite des Passes. Es geht stetig bergab, vorbei an zugefrorenen und glasklaren Seen. Irgendwann erreichen wir wieder das grün. Es fließt überall Wasser und irgendwann kommen auch wieder Bäume dazu. Auf einer schönen Campsite am Fluss mit Blick auf die umliegenden Berge bauen wir die Zelte auf. Wir essen noch gemütlich zu Abend und gehen dann in die Zelte. Ein wunderbarer Tag geht zu Ende.

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Als wir am nächsten Morgen die Köpfe aus dem Zelt stecken erleben wir eine traumhafte Morgenidylle. Einige Berge werden schon von der Sonne angestrahlt, der Fluss rauscht munter vor sich hin und am Himmel ist keine einzige Wolke zu sehen.

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Schon bald nach dem Frühstück sind wir auf dem Pacific Crest Trail. Es geht durch wilden Urwald, dicht bewachsen und durchzogen von fließendem Wasser. Die ersten Meilen gehen gut, dann wird es zunehmend anstrengend. Nach einiger Zeit gehen wir vom Pacific Crest Trail ab und wandern auf dem Bullfrog Lake Trail in Richtung Independence. Hier haben wir uns Resupplypakete hin geschickt, die wir morgen abholen wollen. Der Sidetrail ist wirklich wunderschön. Es ist herrlich all das Wasser und die Pflanzen zu sehen. Bald aber geht es sehr steil bergauf. Ich erklimme mit Mühe den Kearsarge Pass. Obwohl nicht so hoch wie der Forester Pass, ist er doch deutlich anstrengender. Schließlich aber schaffe ich es und genieße zusammen mit anderen Hikern den Erfolg.

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Bald mache ich mich mit Andy und Lancelot an den Abstieg. Wir reden über dies und das und die Strapazen des Aufstiegs sind vergessen. Am Gilbert Lake bleiben Andy und ich zurück und warten auf Maike. Wir machen eine gemütliche Pause, gehen schwimmen, waschen und schauen den Streifenhörnchen dabei zu, wie sie sich um unsere Nüsse zanken.

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Irgendwann gehen wir die letzten zwei Meilen und erreichen den Parkplatz. Hier versuchen wir erfolglos nach Independence zu hitchen. Schließlich schließen wir uns einigen anderen Hikern an, die ein Shuttle bestellt haben. Die Straße führt uns in unzähligen Haarnadelkurven wieder hinab in die Wüste. Das merkt man, es ist tierisch heiß. Wir sind nicht weit vom Death Valley entfernt. Erstaunlich wie schnell sich die Landschaft ändern kann. In der Stadt angekommen gehen wir erstmal ordentlich essen und zwar bei Subway. Für 7,99$ bekomme ich ein großes Sandwich, all you can drink und zwei Cookies. Das lohnt sich! Wir treffen einen anderen Deutschen, der schon ein paar Tage hier ist. Nachdem wir bis Ladenschluss geblieben sind, gehen wir zum Campground und bauen die Zelte auf.

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