Ledertramp

Blog über modernes Nomadenleben, Natur, Freiheit und Lebenskunst

PCT Thruhike 2015: Reds Meadow – South Lake Tahoe

Nachdem wir viel mehr Zeit in Reds Meadow verbracht haben als geplant, starten wir um 16:30 wieder in Richtung Trail. Direkt hinter Reds Meadow entern wir das National Monument Devils Postpile. Dabei handelt es sich um Säulen aus Vulkangestein, die in Hexagonform aus der Erde ragen. Das sieht ziemlich eindrucksvoll aus. Danach geht’s weiter bergauf durch den Wald. Nach den Eisen und diversen Snacks ist das ganz schön anstrengend. Der Pacific Crest Trail schlängelt sich durch den Wald, vorbei an einigen Seen. Schließlich erreichen Andy und ich einen netten Campspot und schlagen das Lager auf. Die Mücken terrorisieren uns total, deshalb machen wir Feuer, das bessert die Situation ein wenig. Maike kommt hinzu, sie hat Bärenjunge gesehen. Andy und ich sind neidisch. Nach dem Abendessen wird das Feuer gelöscht und alle gehen in ihre Zelte.

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Wir wachen auf. Ich frühstücke Brotpudding mit Schokolade und Erdbeeren, ein Gericht, das ich gestern aus der Hikerbox gefischt habe. Es schmeckt hervorragend und sättigt gut. Ein guter Fang war das gestern. Damit ihr mal wisst wovon ich rede: diesen Pudding noch in den Variationen Banane und Pfirsich, eine riesige Tüte mit diversen Nüssen und M&Ms, Nudeln, zwei große Beutel Müsli, ein Honeybun, mehrere Schokoriegel, Olivenöl, Kekse, Müsliriegel, Getränkepulver und Erdnussbutter. Das alles für umsonst und man hätte noch mehr haben können. Es ist manchmal echt enorm, was man so findet. Naja jedenfalls war das Frühstück schon mal lecker. Danach geht’s los, immer bergauf. Das sollte sich heute fast den ganzen Tag nicht ändern. Dafür ist die Landschaft sehr schön.

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Zunächst geht es durch den Wald, der immer wieder den Blick auf schroffe Berge freigibt. Es geht vorbei an vielen wunderbaren Seen. An einem dieser Seen lege ich mich in die Sonne und genieße meine Freiheit.

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So vergeht der Tag. Ich wandere ein paar Meilen, dann entspanne ich irgendwo, dann laufe ich weiter. Zwischendurch treffe ich auf die anderen und wir machen gemeinsam Mittagspause. Nachdem der Island und der Donahue Pass überwunden sind geht der Pacific Crest Trail hinab ins Tal. Zehn Meilen vor Tuolumne Meadows stellen wir die Zelte auf. Es wird empfohlen, nicht näher an Tuolumne Meadows zu zelten, da auf den nächsten Meilen starke Bärenaktivität besteht. Daher bleiben wir hier und werden morgen nach Tuolumne Meadows wandern, wo wir eine Nacht bleiben wollen.

Am nächsten Morgen beschließe ich, dass ich gerne möglichst früh in Tuolumne Meadows ankommen möchte. Ich laufe also recht zügig los. Der Pacific Crest Trail führt die ganze Zeit durch einen breiten Canyon. Leider sehe ich keine Bären, dafür aber Mule Deer, eine Hirschart, Murmeltierjunge und jede Menge lustige kleine Nager, von denen ich den Namen nicht weiß, die aber echt Spaß machen. Gegen 11 Uhr komme ich am Campground an. Es ist unglaublich viel los. Wir sind jetzt im Yosemite National Park, der ist vermutlich genauso bekannt, wie Los Angeles. Andy kommt dazu und wir sitzen entspannt am Tisch und snacken ein wenig. Dann bauen wir die Zelte auf und gehen zum Store. Dort verzehren wir Burger, Eis, Joghurt und diverses anderes. Außerdem stauben wir eine Menge Food aus der Hikerbox ab. Wir reden viel, gehen mal rüber zum Outfitter und genießen die Zeit. Abends entspannen wir noch mit anderen Hikern am Lagerfeuer neu guten Gesprächen und Mandolinenmusik.

Am nächsten Tag frühstücken wir leckeres Gebäck und einen Kakaodrink. Sehr lecker! Dann holen wir unser Resupplypaket ab und schicken gleich eine Menge Essen aus der Hikerbox zurück. Dann lümmeln wir noch ein bisschen rum, bevor wir zurück auf den Pacific Crest Trail gehen. Zunächst passieren wir Soda Springs, eine blubbernde Quelle, dann geht’s rein in den Wald. Der Weg ist gut mit Touristen bestückt. Kein Wunder, denn ein Highlight jagt das andere. Wasserfälle, Flüsse, berühmte Felsen wie Halfdome und El Capitan, eben alles was das Herz begehrt. Ein paar Meilen rein, wird es dann aber wieder ruhiger und die Thruhiker sind wieder unter sich.

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Der Weg führt hügelig durch den Wald und ab und an über große Wiesen. An einem rauschenden Bach ist Schluss für heute. Zum Abendessen gibt’s Kartoffelpüree, aber dazu leckeres frisches Brot, was ich geschenkt bekommen habe und danach noch eine frische Orange. Sobald alles bärensicher verstaut ist, geht’s ab ins Zelt.

Der Tag beginnt gemütlich. Keiner kommt so richtig aus dem Zelt raus. Ich frühstücke eine gute Portion Müsli mit Trockenobst und Nüssen aus der Hikerbox. Lecker! Danach geht’s los. Leider direkt bergauf. Es wird heute viel geklettert werden müssen, das verrät das Höhenprofil. Ich gehe die ersten Meilen. Der Himmel ist blau und es geht gut voran. An einem See mache ich eine kleine Pause, genehmige mir einen Riegel und ein Honeybun und fülle meinen Wasservorrat auf.

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Es ist eine schöne Stelle, wo ich da sitze. Leider sehen das die Moskitos genauso. In der letzten Zeit nerven diese Viecher immens. Ich ziehe also schon bald weiter und wieder geht es bergauf. Der Benson Pass liegt vor mir. Mit der Zeit bemerkt man schon, dass man fast 500 km gelaufen ist, ohne auch nur einen Tag Pause gemacht zu haben. Zudem verschlechtert sich nun auch noch das Wetter. Es sieht nach Regen aus.

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Ich kämpfe mich den Berg hinauf und Geräte ganz schön ins Schwitzen. Es ist heute nicht wirklich mein Tag. Oben auf dem Pass liegt Andy. Auch er kommt heute nur langsam voran. Gemeinsam gehen wir noch zwei Meilen zu einem See, wo wir Mittagspause machen. Dort fängt es dann auch zu regnen an.

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Ich packe also meinen Schirm aus und kauere mich mitsamt meiner sieben Sachen darunter. Später gehen wir weiter. Nur noch sieben Meilen liegen vor uns. Diese ziehen sich allerdings enorm in die Länge. Mit der Zeit fängt es richtig an zu regnen. Das ist auf der einen Seite störend, verleiht der Landschaft aber auch einen rauen Charme.

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Kurz vor knapp beginnt mir ein neugieriges Reh zu folgen. Wenn ich gehe kommt es mit. Bleibe ich stehen, macht es dasselbe und guckt neugierig. Echt putzig. Nach einer gefühlten Ewigkeit bauen wir die Zelte auf und gehen sofort in die Waagerechte.

Der nächste Tag beginnt noch fauler. Erst um halb zehn gehe ich los. Einundzwanzig Meilen stehen heute auf dem Plan. Ich gehe gemütlich los. Gegen Mittag gehe ich ein wenig vom Pacific Crest Trail ab und nehme ein kühles Bad in einem Creek. Das tut gut. Leider ist die Wirkung nur von kurzer Dauer, denn es geht wieder bergauf und ich komme ins Schwitzen. Zudem ist die Luft heute extrem schwül und stickig. Es strengt also ordentlich an. Ich mache hin und wieder Pause, eine richtige Mittagspause ist heute nicht drin. Die Landschaft ist heute eher unspektakulär, dafür ist der Trail von vielen bunten Blumen geschmückt. Das sieht sehr hübsch aus. Nach einer Flussüberquerung treffe ich Andy und wir gehen ein Stück zusammen. Am Horizont braut sich ein Gewitter zusammen und es grummelt ab und an. Schließlich erreichen wir müde den Dorothy Lake, wo wir campen wollen. Leider fängt das Unwetter in genau diesem Moment an. Zehn Minuten später und wir hätten schon im Zelt gelegen. So müssen wir nun im Regen aufbauen. Der Tag ist quasi zu Ende und wird mit einem üppigen Abendessen beendet.

Irgendwie ist jetzt der Wurm drin. Keiner kommt vor neun aus dem Zelt raus. Vielleicht wollen unsere Körper uns jetzt einfach mal zeigen, dass es Zeit für eine Pause ist. Wir sind jetzt über 500 Kilometer gelaufen seit wir das letzte mal einen Tag Pause gemacht haben. Das merkt man dann schon langsam. Also ziehen wir wieder einmal recht spät los. Die Moskitos nerven tierisch, daher ist es gut loszugehen. Wenn man in Bewegung bleibt, lassen die einen eher in Ruhe. Nach kurzer Zeit verlasse ich den Yosemite National Park. Wiederum eine kurze Zeit später überquere ich einen Meilenstein. Die 1000 Meilenmarke! Wahnsinn, ich bin jetzt 1000 Meilen, also ungefähr 1600 Kilometer auf dem Pacific Crest Trail gewandert!

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Der Trail führt mich angenehm durch den Wald. Kaum Steigung ist dabei, überall plätschert Wasser. Nach 10 Meilen machen wir eine Pause. Hier muss auch Wasser für die nächsten 10 Meilen aufgefüllt werden. Das mache ich dann auch, bevor ich mich wieder auf den Weg mache. Nach der Pause geht’s sofort steil bergauf. Wir werden noch einmal an den 11000 Fuß kratzen. Die Landschaft verändert sich rasant. Plötzlich sind keine Bäume mehr vorhanden, der Boden ist mit Lava bedeckt und eindrucksvolle Felsen ragen in den Himmel. Oben angekommen stelle ich fest, dass ich direkt in ein Gewitter laufe. Immer wieder zucken Blitze über den Himmel, dann und wann sehe ich sie einschlagen. Die Aussicht ist atemberaubend und die schwarzen Wolken lassen das ganze noch gewaltiger erscheinen.  Dennoch, die exponierte Felslandschaft ist kein guter Ort um ein Gewitter auszusitzen, daher lege ich einen Zahn zu. Aber der steinige Untergrund macht das laufen schwierig. Schließlich schaffen wir es dann doch rechtzeitig ins Tal. Auf einem Parkplatz in der Nähe des Highways schlagen wir die Zelte auf. Ich hebe noch einen Geocache, dann essen wir und gehen schlafen.

Am nächsten Morgen hitchen wir nach Bridgeport, was eine gute Strecke ist. Dort versuchen wir herauszufinden, wie wir nach South Lake Tahoe kommen. Der Bus fährt ausgerechnet heute nicht. Also kaufen wir uns erst mal lecker was beim Bäcker und versuchen anschließend zu hitchen. Das will aber nicht so recht klappen. Plötzlich taucht jedoch ein roter Van auf. Devilfish ist zurück! Natürlich kann er uns die 85 Meilen nach South Lake Tahoe fahren, er muss nur noch jemanden am Trailhead abholen. Und so fahren wir wieder hoch, holen Tutone ab und fahren gemütlich nach South Lake Tahoe. Hier wollen wir einige Tage ausspannen. Am Campground erfahren wir jedoch, dass dieser über den 4th of July restlos ausgebucht ist. Wir lassen uns nicht aus dem Konzept bringen und bauen zusammen mit Tutone erstmal für zwei Nächte auf. Dann beginnt unser Aufenthalt.

In den nächsten Tagen erleben wir eine Menge toller Dinge. Natürlich kümmern wir uns um das nötigste, wir waschen im Waschsalon, kaufen essen für mehr als einen Monat ein und gehen auch in den Outfitter. Im Hardware Store hole ich mir Dichtungen um meinen undichten Filter zu fixen. Endlich wieder vernünftig Wasser machen!
Aber auch sonst erleben wir einiges. Wir sind Touristen. Wir liegen am Strand, baden im Lake Tahoe, essen Eis und schauen uns das Feuerwerk am Independence Day an.
Auf der menschlichen Seite erfahren wir auch eine Menge. Im Outfitter werden wir mit Cookies und Kaffee begrüßt, die ausgebuchten Nächte verbringen wir bei netten Menschen auf deren Platz, wir werden zum Burritos essen eingeladen und am Morgen nach dem Independence Day erreicht das ganze seinen Höhepunkt und eine riesige Gruppe Lateinamerikaner lädt uns zum Frühstück ein und überhäuft uns gerade so mit Leftovers. Bratkartoffeln, Salate, Käse, Früchte, Getränke, Brot und vieles mehr landet in unseren Bäuchen. Das ist der Wahnsinn!
Morgen geht’s tatsächlich zurück auf den Pacific Crest Trail. Nach all den Tagen on der Zivilisation wird das auch wirklich Zeit. Es war eine schöne Zeit, doch jetzt müssen wir weiter ziehen. Wir sind Nomaden, wir brauchen die Straße, den Wald und vor allem, die Veränderung…

Impressionen aus South Lake Tahoe:

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